In der Pionierzeit der Kontaktlinsenentwicklung wurden geblasene Glaslinsen, und später große, das Auge von vorn fast völlig abdeckende gegossene Plexiglasschalen zum Refraktionsausgleich als Brillenersatz verwandt. Heute steht heute eine Vielzahl unterschiedlicher Materialien und Herstellungsmöglichkeiten zur Verfügung, um die Gesundheit und die Sicherheit des mit einer Kontaktlinse versorgten Auges zu gewährleisten. Um die Vorteile des Kontaktlinsentragens möglichst lange und ohne Reue genießen zu können, muß man zu Beginn einmal grundsätzlich verstanden haben, was dieses gewünschte Hilfsmittel am Auge tut und welche Risiken es zu verhindern gilt. Unser Auge ist ein außerordentlich komplexes Organ. Das Gehirn, in dem alle Eindrücke aus unserer Umwelt für uns wahrnehmbar gemacht werden, hat in der Entwicklungsgeschichte eine Ausstülpung nach außen wachsen lassen, um optische Eindrücke erst einmal registrieren zu können. Diese " Ausstülpung des Gehirns ", vergleichbar einem Fotoapparat, ist unser Auge. Für das Verständnis der Kontaktlinsenproblematik ist die Frontscheibe oder vordere Linsenfläche eines Objektives von besonderem Interesse, denn diese entspricht der Hornhaut unseres Auges. Besonders erschwert wird die Erhaltung der Klarheit und Durchsichtigkeit der Hornhaut dadurch, daß diese weich und von hohem Feuchtigkeitsgehalt ist. Nur so ist Leben in diesem Gewebe garantiert. Der wichtigste Schutzmechanismus unserer Hornhaut ist der Tränenfilm. Dieser besteht aus einer sehr kompliziert zusammengesetzten Flüssigkeitsschicht, die fast ausschließlich für die Ernährung und Nährstoffzufuhr, aber auch für den entsprechenden Feuchtigkeits-und Quellungszustand der Hornhaut sorgt. Der Augenarzt kennt eine Vielzahl von Erkrankungen, bei denen in diesem Bereich eine Störung vorliegt. Dies führen zum Verlust der Transparenz, vergleichbar einem Behauchen der Vorderseite eines Objektives. Wenn wir nun die Kontaktlinse " auf das Auge aufsetzen ", bringen wir sie also in dieses soeben beschriebene System hinein und stören damit selbstverständlich das natürliche Gleichgewicht an diesem wichtigen Ort. Die Aufgabe dessen, der eine Kontaktlinse anpaßt, ist es nun, nicht nur eine Augenerkrankung infolge dieser Störung zu verhindern, sondern auch die Sicherheit des Auges während des Kontaktlinsentragens zu garantieren. Mit modernen Kontaktlinsenmaterialien und dank des hohen Niveaus augenärztlicher Kontaktlinsenforschung ist es heute möglich, Kontaktlinsen gefahrlos zu tragen, wenn der Kontaktlinsenträger einerseits sachgerecht und regelmäßig nach Augenschäden untersucht wird und dieser sich andererseits an die von seinem Augenarzt benannten Verhaltensnormen hält. Kontaktlinsentragen ist kein primär technisches Problem und für den Kontaktlinsenträger ist daher die Kontaktlinse nicht primär als technisches Produkt von Bedeutung, sondern die Frage nach der normalen oder nicht mehr normalen Reaktion seines Auges auf die in das Auges implantierte Kontaktlinse. Wer einmal verstanden hat, daß die Kontaktlinse im Gegensatz zur Brille ein gesundheitliches Problem darstellen kann, wird unter augenärztlicher Aufsicht Kontaktlinsen lange und gefahrlos tragen können. |